Japanische Klaviermarken: von Yamaha und Kawai bis zu vergessenen Fabriken

Von der einst breiten japanischen Klavierindustrie sind heute im Grunde nur zwei Namen von internationaler Bedeutung übrig: Yamaha und Kawai. Dahinter liegt aber eine Landschaft aus teils Hunderten kleineren Fabriken und Handelsmarken, die zwischen der Meiji- und der frühen Shōwa-Zeit entstanden und wieder verschwanden. Dieser Guide ordnet die Geschichte ein und zeigt dir Quellen, mit denen du eine konkrete Marke selbst recherchieren kannst, auch wenn du kein Japanisch sprichst.

Die japanische Klavierindustrie im Überblick

Drei Punkte helfen dir, eine Marke grob einzuordnen, bevor du überhaupt zu den Quellen greifst:

  • Zwei Überlebende einer größeren Industrie: Yamaha entstand 1887 aus der Reedorgel-Werkstatt von Torakusu Yamaha, 1897 offiziell als Nippon Gakki gegründet, das erste japanische Klavier folgte 1900. Kawai gründete 1927 Koichi Kawai, zuvor selbst Techniker bei Yamaha, in Hamamatsu. Beide Firmen siedelten sich rund um Hamamatsu an, das zum Zentrum der japanischen Klavierindustrie wurde.
  • Eine Industrie mit weit mehr als zwei Namen: Japanische Fachseiten wie Pianotuner.jp und die Chopin/Hanna-Enzyklopädie führen zusammen weit über hundert japanische Klaviermarken, viele davon längst verschwunden. Die meisten dieser Betriebe waren kleine Werkstätten, die nie über den regionalen Markt hinauskamen.
  • Eine Marke, mehrere Hersteller: Ein Markenname wurde in Japan teils von mehreren, unabhängigen Fabriken gleichzeitig oder nacheinander verwendet. Pianotuner.jp dokumentiert das am Beispiel des Namens Acacia, der der Acacia Piano Seisakusho zugeordnet wird, während unter Namen wie Astoria mehrere unterschiedliche Hersteller auftauchen. Ohne eine solche Zuordnung bringt dich der Markenname allein nicht sehr weit.

Was aus einigen historischen Marken wurde

Gründungsjahr und heutiger Status sind für alle vier Marken gut belegt. Ein Strich in der zweiten Spalte heißt, dass die Fertigung nie unterbrochen wurde. Nishikawa war jahrzehntelang Yamahas wichtigster einheimischer Konkurrent, Tokai ist heute vor allem als Gitarrenhersteller bekannt und baute nur wenige Jahre lang eigene Klaviere.

MarkeGegründetUrsprüngliche Fertigung endetStatus heute

Yamaha

1887

-

Firmiert heute als Yamaha Corporation, weltweit größter Klavierhersteller nach Stückzahl.

Kawai

1927

-

Firmiert heute als Kawai Musical Instruments Manufacturing mit Sitz in Hamamatsu.

Nishikawa

1886

1936

1886 in Yokohama gegründet, jahrzehntelang Yamahas wichtigster einheimischer Konkurrent. Nach dem Tod des Gründers 1921 von Nippon Gakki (Yamaha) übernommen, unter dem Namen Nishikawa entstanden noch bis 1936 Klaviere und Orgeln.

Tokai

1947

1986

Gegründet 1947 in Hamamatsu, heute vor allem als Gitarrenhersteller bekannt. Eigene Klaviere baute Tokai nur von 1978 bis 1986.

Yamaha

Gegründet

1887

Ursprüngliche Fertigung endet

-

Status heute

Firmiert heute als Yamaha Corporation, weltweit größter Klavierhersteller nach Stückzahl.

Kawai

Gegründet

1927

Ursprüngliche Fertigung endet

-

Status heute

Firmiert heute als Kawai Musical Instruments Manufacturing mit Sitz in Hamamatsu.

Nishikawa

Gegründet

1886

Ursprüngliche Fertigung endet

1936

Status heute

1886 in Yokohama gegründet, jahrzehntelang Yamahas wichtigster einheimischer Konkurrent. Nach dem Tod des Gründers 1921 von Nippon Gakki (Yamaha) übernommen, unter dem Namen Nishikawa entstanden noch bis 1936 Klaviere und Orgeln.

Tokai

Gegründet

1947

Ursprüngliche Fertigung endet

1986

Status heute

Gegründet 1947 in Hamamatsu, heute vor allem als Gitarrenhersteller bekannt. Eigene Klaviere baute Tokai nur von 1978 bis 1986.

Warum untergegangene japanische Marken schwer zu recherchieren sind

Bei Yamaha und Kawai ist die Recherche unkompliziert, beide Firmen pflegen ihre eigene Geschichte. Bei den übrigen Marken kommen drei Probleme zusammen:

  • Die besten Quellen sind japanischsprachig: Die ergiebigsten Archive und Markenlisten, etwa Pianotuner.jp oder die Chopin/Hanna-Enzyklopädie, sind ausschließlich auf Japanisch verfasst. Ohne die automatische Übersetzung deines Browsers kommst du dort kaum weiter.
  • Firmengeschichte oft nur mündlich überliefert: Für viele kleinere Fabriken existieren keine durchgehenden Firmenunterlagen, ihre Geschichte stützt sich teilweise nur auf Zeitzeugenberichte, wie es etwa die Chopin/Hanna-Enzyklopädie für die Vorkriegszeit ausdrücklich beschreibt.
  • Viele Werkstätten, kaum überregionale Bekanntheit: Ähnlich wie bei kleinen deutschen Werkstätten tauchen die meisten dieser Namen in keinem allgemeinen Nachschlagewerk auf. Nur spezialisierte japanische Quellen haben sie systematisch erfasst.

Empfehlenswerte Quellen für die Recherche zu japanischen Klaviermarken

Pianotuner.jp und die Chopin/Hanna-Enzyklopädie sind auf Japanisch. Die automatische Übersetzungsfunktion deines Browsers (etwa in Chrome) ist hier ein notwendiges Hilfsmittel, für die Zuordnung von Markennamen, Herstellern und Jahreszahlen reicht sie aber gut aus.

  • Pianotuner.jp: Marken- und Herstellerzuordnung: Pianotuner.jp führt eine alphabetische Liste japanischer Klaviermarken und ordnet jede davon dem tatsächlichen Hersteller zu, etwa Acacia der Acacia Piano Seisakusho oder Alexander der Taisei Piano beziehungsweise Fukuyama Piano. Für Marken, die du sonst nirgends findest, ist das oft der schnellste Weg zu einem Ansatzpunkt.
  • Chopin/Hanna-Enzyklopädie: Aufsätze zur frühen japanischen Klaviergeschichte: Der japanische Musikverlag Hanna stellt seine Klavier-Enzyklopädie auf chopin.co.jp frei online, mit ausführlichen Kapiteln zur Geschichte der japanischen Klavierindustrie, von den ersten Werkstätten der Meiji-Zeit über den Aufstieg von Yamaha und Kawai bis zu den Vorkriegsmarken. Für frühe Hersteller ist das die inhaltlich stärkste frei zugängliche Quelle. Ein eigenes Kapitel listet die wichtigsten japanischen Marken und nennt neben Yamaha und Kawai auch heute vergessene Namen wie Nishikawa, Matsumoto, Fukushima und Hirota.
  • Pierce Piano Atlas: das internationale Nachschlagewerk: Der Pierce Piano Atlas ist kein kostenloses Webangebot, sondern ein gedrucktes Nachschlagewerk mit über 12.000 Klaviernamen und mehr als 750 Herstellern samt Seriennummern, Produktionszeiträumen und kurzen Firmengeschichten, ausdrücklich auch für Hersteller außerhalb der USA. Für eine tiefere Recherche lohnt sich ein Blick, ältere Auflagen lassen sich teilweise auch über das Internet Archive ausleihen.

Häufige Fragen

Warum gibt es heute kaum noch japanische Klaviermarken außer Yamaha und Kawai?

Die japanische Klavierindustrie bestand einst aus vielen kleinen, oft regionalen Werkstätten. Die meisten davon waren zu klein, um wirtschaftliche Krisen, den Zweiten Weltkrieg und die anschließende Konsolidierung des Marktes zu überstehen. Yamaha und Kawai wuchsen dagegen früh zu Großbetrieben mit eigener Zulieferindustrie heran und setzten sich durch.

Mein Klavier trägt einen japanischen Markennamen, den ich nirgends finde. Was jetzt?

Prüfe zuerst Pianotuner.jp, die Seite ist auf die Zuordnung genau solcher Namen zum Hersteller spezialisiert. Findest du dort nichts, kann es sich um eine kleine Werkstatt handeln, die nie überregional bekannt wurde. Ein Klaviertechniker mit Erfahrung in japanischen Instrumenten kann anhand der Mechanik und Bauweise oft trotzdem etwas zur Herkunft sagen.

Sind alte japanische Klaviere aus unbekannten Fabriken schlechter als Yamaha oder Kawai?

Nicht automatisch. Die japanische Klavierindustrie stand insgesamt für sorgfältige Verarbeitung, auch kleinere Werkstätten bauten teils solide Instrumente. Entscheidend für den heutigen Wert ist der geprüfte Zustand, nicht allein die Bekanntheit der Marke.

Klaviere von Yamaha und Kawai findest du direkt in unseren aktuellen Angeboten.

Die US-amerikanische Klaviergeschichte bringt noch einmal ganz andere Herausforderungen mit sich, hier geht es weiter. Oder du schaust direkt, was gerade an Klavieren und Flügeln auf PianoHub angeboten wird.