Klavierpedale: Was sie tun und wer sie braucht

Ein Flügel hat in der Regel drei Pedale. Bei Klavieren ist das anders: Gerade ältere Instrumente haben oft nur zwei Pedale, so wie auf dem Titelbild. Mit zwei Pedalen sind es fast immer das Dämpferpedal rechts und ein Pedal links, das leiser macht. Was bei drei Pedalen in der Mitte sitzt, hängt vom Instrument ab: beim Flügel meist ein Sostenuto-Pedal, beim Klavier meist ein Moderator. Dieser Ratgeber erklärt die Mechanik hinter jedem Pedal, was du hörst, wenn du es trittst, und für wen sich welches Pedal wirklich lohnt.

Zwei verzierte Messingpedale an einem alten Klavier mit Mahagonigehäuse

Die Pedale im Überblick

Bei den beiden äußeren Pedalen ähneln sich Klavier und Flügel im Ergebnis, nur in der Mitte gehen sie auseinander.

  • Rechtes Pedal (Dämpferpedal): Bei jedem Klavier und Flügel dasselbe: Es hebt alle Dämpfer von den Saiten, die Töne klingen nach.
  • Linkes Pedal (leiser und zarter): Der Ton wird leiser und weicher. Beim Flügel geschieht das über die Verschiebung der Mechanik (Una Corda), beim Klavier über einen kürzeren Hammerweg (Leisepedal). Die Mechanik ist verschieden, das Ergebnis ähnelt sich.
  • Mittleres Pedal (je nach Instrument): Beim Flügel meist ein Sostenuto-Pedal, das nur bereits angeschlagene Töne hält. Beim Klavier meist ein Moderator, ein Filzstreifen, der den Ton deutlich leiser macht. Viele ältere Klaviere haben gar kein Mittelpedal.

Ein Pedal in der Mitte sagt allein noch nichts über seine Funktion. Ob es ein Moderator, ein Bass-Sustain oder ein echtes Sostenuto ist, siehst du erst beim Ausprobieren oder in den Angaben des Herstellers.

Rechts: das Dämpferpedal

Das rechte Pedal benutzt du am häufigsten. Auf jeder Saite liegt im Ruhezustand ein Filzdämpfer, der den Ton beendet, sobald du die Taste loslässt. Wenn du das Pedal trittst, heben sich alle Dämpfer gleichzeitig ab.

  • Was du hörst: Die Töne klingen nach dem Loslassen der Taste weiter. Außerdem schwingen alle anderen freien Saiten mit (Resonanz), der Klang wird voller und weniger klar.
  • Halbpedal: Das Halbpedal ist keine eigene Pedalart, sondern eine Spielweise des Dämpferpedals. Der Pedalweg ist stufenlos: Trittst du das Pedal nur ein Stück, liegen die Dämpfer noch leicht auf den Saiten und dämpfen nur teilweise. Pianisten nutzen das, um Klänge weich ineinanderfließen zu lassen, ohne dass alles verschwimmt. In den hohen Lagen wirkt ein leicht aufliegender Dämpfer stärker als in den tiefen.
  • Andere Namen: Haltepedal, Fortepedal, Forte-Pedal oder Sustain-Pedal: Gemeint ist immer dasselbe Pedal.
  • Flügel und Klavier: Beim Flügel liegen die Dämpfer von oben auf den Saiten, beim Klavier drücken Federn sie von der Seite an die Saiten. Die Wirkung beim Treten ist dieselbe.

Links: Una Corda beim Flügel, Leisepedal beim Klavier

Das linke Pedal macht beide Instrumente leiser, aber auf unterschiedlichem Weg. Der italienische Begriff „una corda“ passt nur zum Flügel, denn beim Klavier wird nichts verschoben.

  • Una Corda beim Flügel: Das Pedal verschiebt die gesamte Klaviatur samt Mechanik ein Stück zur Seite. Die Hämmer treffen dadurch bei Tönen mit drei Saiten nur zwei, im Mittelbass bei Tönen mit zwei Saiten nur eine. Der Name bedeutet wörtlich „eine Saite“: Bei historischen Instrumenten ließ sich die Verschiebung so weit treiben, dass nur eine Saite pro Ton angeschlagen wurde.
  • Klang beim Flügel: Der Ton wird leiser und verändert dabei seinen Charakter: zarter, etwas verhangener. Ein Grund kann sein, dass die Hämmer mit einer weniger benutzten Stelle des Filzes treffen. Ein Pedal, das nur leiser macht, ist das also nicht.
  • Leisepedal beim Klavier: Beim Klavier verschiebt sich nichts. Das Pedal rückt die Hammerleiste näher an die Saiten, die Hämmer haben einen kürzeren Weg und schlagen mit weniger Schwung an. Der Ton wird leiser und weicher, ändert seine Farbe aber weniger als beim Flügel.
  • Spielgefühl: Bei getretenem Leisepedal fühlen sich die Tasten leichter und etwas weniger präzise an, weil der Weg der Hämmer kürzer ist.
  • In den Noten: Notiert steht meist „una corda“ für das Treten und „tre corde“ oder „tutte le corde“ für das Lösen. Beethoven verlangt es in seinen späten Sonaten ausdrücklich, Debussy in vielen Stücken.

In der Mitte: Sostenuto, Moderator oder etwas anderes

Beim mittleren Pedal unterscheiden sich Klavier und Flügel am stärksten. Deshalb lohnt es sich, nicht nach der Position zu urteilen, sondern nach dem, was das Pedal wirklich tut.

  • Sostenuto-Pedal beim Flügel: Das Sostenuto-Pedal hält nur die Töne, deren Tasten du beim Treten des Pedals schon gedrückt hast. Eine Schiene fängt die zugehörigen Dämpfer ab, diese Töne klingen weiter. Alles, was du danach anschlägst, wird normal gedämpft. So kannst du einen tiefen Basston oder Akkord stehen lassen, während beide Hände oben kurze Töne spielen.
  • Herkunft des Sostenuto: Einen Vorläufer stellte Boisselot 1844 in Paris vor, den heute üblichen Mechanismus ließ sich Steinway 1874 patentieren. Europäische Hersteller übernahmen ihn nur zögerlich, deshalb fehlt das Pedal bei manchen älteren Flügeln.
  • Moderator beim Klavier: Der Moderator schiebt einen Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten. Der Ton wird deutlich leiser und dumpfer, so kannst du üben, ohne die Nachbarn zu stören. Deshalb heißt er auch Übungspedal, im Englischen „celeste“. Als Pedal rastet er meist ein: Du drückst es nach unten und zur Seite, dann bleibt der Filz eingeschaltet und beide Füße sind für die anderen Pedale frei.
  • Andere Belegungen beim Klavier: Bass-Sustain hebt nur die Dämpfer im Bass, sodass tiefe Töne stehen bleiben, während im Diskant kurz gespielt wird. Ein echtes Sostenuto wie beim Flügel ist beim Klavier sehr selten, Sauter bietet es zum Beispiel bei den Klavieren der Meisterklasse an. Bei manchen älteren Klavieren tut das Mittelpedal gar nichts.
  • Moderator oder Sostenuto: Üblicherweise hat ein Instrument entweder einen Moderator oder ein Sostenuto-Pedal, weil beide um denselben Platz in der Mitte konkurrieren. Beide zusammen sind sehr selten.

Zusatzmechaniken: wenn der Moderator kein Pedal ist

Nicht jede Funktion, die den Ton verändert, liegt auf einem Pedal.

  • Handhebel und Seilzug: Bei manchen Klavieren wird der Filzstreifen nicht mit dem Fuß, sondern mit einem Handhebel oder einem Seilzug eingeschaltet. Die Wirkung ist dieselbe wie beim Moderator-Pedal.
  • Kniehebel und Sordino: Steingraeber baut an seinen Flügeln ein „Sordino“: Ein dünner Filz schiebt sich waagerecht zwischen Hammer und Saite, um Tonfarben wie in historischen Noten zu erzeugen. Er lässt sich nach Herstellerangabe über das Mittelpedal, einen Kniehebel oder ein viertes Pedal einschalten.
  • Silent-System: Bei Instrumenten mit Silent-System fängt eine Leiste die Hämmer kurz vor den Saiten ab, Sensoren erfassen den Anschlag, und der Klang kommt über Kopfhörer. Eingeschaltet wird das System oft über einen Hebel oder das Mittelpedal. Bei manchen Systemen erfassen Sensoren sogar das Halbpedal. Mehr dazu im Ratgeber Digitalpiano oder akustisches Klavier.
  • Historische Instrumente: Frühe Hammerflügel hatten mehr Effekte: Lauten-, Fagott- und Cembalozug, einen Moderator aus Tuch oder Leder und den Janitscharenzug, der mit bis zu sechs Pedalen Schlagzeug, Glocken und Becken nachahmte. Diese Effekte verschwanden ab etwa 1830 bis 1840 wieder.

Seltene Bauformen mit vier Pedalen

Vier Pedale gibt es, aber jede Bauform löst ein eigenes Problem und ist eine Ausnahme.

  • Fazioli F308: Das vierte Pedal sitzt links neben den üblichen drei und verkürzt den Hammerweg. Der Flügel wird leiser, ohne dass sich die Klangfarbe ändert (Herstellerangabe). Serienmäßig hat es nur der Konzertflügel F308. Die Pianistin Angela Hewitt spielt einen Fazioli F278, der als Einzelstück mit vier Pedalen ausgestattet wurde, auch ihr Ersatzinstrument nach einem Transportschaden hat vier.
  • Stuart & Sons: Der Hersteller baut Flügel mit vier Pedalen. Das vierte Pedal („dolce pedal“) bringt die Hämmer nah an die Saiten, ähnlich wie das Leisepedal beim Klavier.
  • Feurich Pédale Harmonique: Feurich hat ein 2011 patentiertes viertes Pedal entwickelt, an dem der Pianist und Klavierbauer Stephen Paulello beteiligt war. Halb getreten sind alle Dämpfer abgehoben, aber angeschlagene und wieder losgelassene Töne werden trotzdem gedämpft, die übrigen Saiten schwingen mit. Ganz getreten wirkt es wie das normale Dämpferpedal.
  • Sauter: Sauter setzt bei einigen Klavieren der Meisterklasse ein echtes Sostenuto-Pedal ein, wie man es sonst vom Flügel kennt.

Was Pianisten übers Pedal sagten

Wie wichtig das Pedal für große Pianisten war, zeigen zwei gut belegte Berichte. Sergei Rachmaninoff erinnerte sich, eines von Anton Rubinsteins größten Geheimnissen sei der Pedalgebrauch gewesen, und Rubinstein habe das Pedal die Seele des Klaviers genannt (nachzulesen in Rachmaninoffs Interview für The Etude von 1910). Franz Liszt schrieb 1883 an Steinway, bedankte sich für einen neuen Flügel und schickte zwei Notenbeispiele mit, in denen er das damals noch junge Sostenuto-Pedal berücksichtigt hatte.

Wer braucht welches Pedal?

Ist das Fehlen eines bestimmten Pedaltyps ein Problem? Meistens nicht. Für viele Pianisten und besonders für Anfänger ist das Dämpferpedal völlig ausreichend, und ein großer Teil des Repertoires kommt ohne die anderen Pedale aus. Trotzdem gibt es Situationen, in denen sich mehr Pedale lohnen.

  • Einsteiger und Hobbypianisten: Wichtig ist das Dämpferpedal. Das linke Pedal ist ein Bonus, ein fehlendes oder wirkungsloses Mittelpedal sollte dich nicht vom Kauf abhalten.
  • Leises Üben: Wer abends oder in einer hellhörigen Wohnung übt, profitiert vom Moderator. Er ist im Alltag oft das nützlichste Zusatzpedal, ein Flügel hat ihn meist nicht.
  • Una Corda und Leisepedal: Wer Klangfarben gestalten will, nutzt das linke Pedal bewusst, zum Beispiel bei späten Beethoven-Sonaten oder bei Debussy. Beim Flügel ist es ein echtes Gestaltungsmittel, beim Klavier vor allem eine Lautstärkehilfe.
  • Sostenuto: Interessant wird das Sostenuto für Fortgeschrittene und Studierende, die Stücke mit lang gehaltenen Basstönen über bewegten Oberstimmen spielen, etwa bei Debussy, Ravel oder in moderner Musik. Ausdrücklich notiert ist es selten, zum Beispiel bei George Crumb. Vieles lässt sich auch mit dem Halbpedal lösen oder indem du die Taste mit dem Finger hältst. Eine feste Niveaugrenze gibt es nicht.
  • Profis und Studium: Wer studiert oder auf hohem Niveau vorspielt, braucht in der Praxis häufiger ein Sostenuto-Pedal, außerdem wird ein fein regulierbares Halbpedal wichtiger.

Pedale beim Kauf prüfen

Der Pedaltest dauert bei der Besichtigung nur wenige Minuten.

  • Dämpferpedal und Halbpedal: Tritt das Pedal langsam durch. Es sollte gleichmäßig heben, sauber zurückkehren und beim Loslassen alle Töne zuverlässig dämpfen. Probiere auch die Zwischenstellungen (Halbpedal): Springt das Pedal nur zwischen ganz oben und ganz unten, lässt es sich schwer fein dosieren. Bleiben Töne hängen, kann die Dämpferregulierung ein Thema für den Klavierbauer sein.
  • Mittelpedal: Frag, was das Pedal tut, und teste es. Beim Moderator sollte er einrasten und sich sauber lösen. Beim Sostenuto hältst du einen Akkord, trittst das Pedal, lässt die Tasten los und spielst andere Töne: Nur der erste Akkord darf weiterklingen.
  • Geräusche und Gängigkeit: Quietschen, Knacken oder Schwergängigkeit deuten auf Verschleiß hin. Frag den Verkäufer, ob das Pedalwerk gewartet wurde.

Häufige Fragen

Wofür ist das mittlere Pedal beim Klavier?

Meistens ist es ein Moderator: Ein Filzstreifen schiebt sich zwischen Hämmer und Saiten und macht den Ton deutlich leiser, gedacht für leises Üben. Seltener hebt es nur die Bassdämpfer (Bass-Sustain), und bei einzelnen Instrumenten wie den Meisterklasse-Klavieren von Sauter ist es ein echtes Sostenuto-Pedal. Bei manchen älteren Klavieren hat es keine Funktion.

Was macht das Sostenuto-Pedal?

Es hält nur die Töne, deren Tasten du beim Treten des Pedals schon gedrückt hast. Später gespielte Töne werden normal gedämpft. So lässt sich ein Basston oder Akkord halten, während die Hände etwas anderes spielen. Beim Flügel ist es meist das mittlere Pedal.

Brauche ich als Anfänger alle drei Pedale?

Nein. Für den Einstieg reicht das Dämpferpedal völlig aus, und auch später kommen viele Stücke ohne Sostenuto und Una Corda aus. Ein Moderator ist nützlich, wenn du leise üben möchtest. Ob ein Mittelpedal vorhanden ist, sollte beim Kauf kaum den Ausschlag geben.

Wenn du ein Instrument mit bestimmten Pedalen suchst: Auf PianoHub findest du Instrumente mit Moderator und Instrumente mit Sostenuto-Pedal.

Mehr zu Bauformen und Größen liest du im Ratgeber Kompaktwissen Klavier, worauf du beim Gebrauchtkauf sonst achten solltest, im Kaufratgeber.