Bösendorfer Flügel und Klaviere: Geschichte, Modelle und Preise

Kaum eine Marke steht so sehr für den warmen, runden Wiener Klavierklang wie Bösendorfer. Seit 1828 in Wien gefertigt, zählt die Marke neben Steinway zu den bekanntesten Namen im Konzertflügelbau. Dieser Guide gibt dir einen Überblick über Geschichte, Modelle und realistische Preise auf dem Gebrauchtmarkt.

Nahaufnahme der Tastatur eines Bösendorfer Flügels mit goldenem Schriftzug

Bösendorfer: kurze Markengeschichte

Ignaz Bösendorfer gründete das Unternehmen 1828 in Wien. Bereits 1839 erhielt die Firma nach einem legendären Konzert von Franz Liszt, bei dem mehrere andere Klaviere der Beanspruchung nicht standhielten, großes Ansehen für die Robustheit ihrer Instrumente. 1866 wurde Bösendorfer offiziell k.u.k. Hoflieferant.

2007 übernahm Yamaha die Marke, die Fertigung blieb jedoch in Wien. Bis heute werden Bösendorfer-Flügel größtenteils in Handarbeit in der österreichischen Hauptstadt gebaut, mit charakteristischer Resonanzboden-Konstruktion nach dem sogenannten Wiener Prinzip.

Der typische Bösendorfer-Klang

Was Bösendorfer klanglich von anderen Konzertmarken unterscheidet:

  • Warmer, singender Ton: Im Vergleich zu Steinway gilt der Bösendorfer-Klang als runder und wärmer, mit weniger Brillanz in den Höhen, dafür mit einer sehr gesangvollen Mittellage.
  • Massive Rahmenkonstruktion: Der Korpus wird traditionell aus massivem Fichtenholz gefertigt statt aus Sperrholzlagen wie bei vielen anderen Herstellern, was zum charakteristischen Resonanzverhalten beiträgt.
  • Erweiterte Bassregister bei den größten Modellen: Die Modelle 225, 280VC und das legendäre Imperial 290 verfügen über zusätzliche Bässe unterhalb des üblichen Tonumfangs, für ein volleres Fundament im tiefen Register.

Bösendorfer-Modelle im Überblick

Bösendorfer fertigt ausschließlich Flügel, keine Klaviere (Upright):

  • Modell 130 / 155 (130-155 cm): Kompaktflügel: Die kleinsten Modelle für Wohnräume mit begrenztem Platz. Neu ab ca. 90.000 €. Gebraucht ab ca. 30.000-45.000 € je nach Baujahr und Zustand.
  • Modell 170 / 185 / 200: Mittlere Konzertgröße: Vielseitig einsetzbar für Zuhause, Musikschulen und kleinere Konzertsäle. Gebraucht ca. 40.000-70.000 €.
  • Modell 214VC / 225 Vienna Concert: Erste Modelle mit erweitertem Bassregister, konzerttauglich. Gebraucht selten unter 60.000 €.
  • Modell 280VC / Imperial 290: Konzertflügel der Spitzenklasse, das Imperial 290 mit 97 statt der üblichen 88 Tasten. Neu über 200.000 €, gebraucht meist deutlich über 100.000 €.

Preisübersicht: Was kostet ein Bösendorfer gebraucht?

Bösendorfer-Flügel halten ihren Wert sehr gut, besonders ältere, in Wien vor der Yamaha-Übernahme gefertigte Instrumente sind bei Sammlern gefragt:

  • Kompaktflügel (130/155, gebraucht): ca. 30.000-45.000 €
  • Mittlere Modelle (170-200, gebraucht): ca. 40.000-70.000 €
  • Konzertmodelle (214VC-280VC, gebraucht): ca. 60.000-150.000 €
  • Imperial 290 (gebraucht): ca. 100.000 € und deutlich mehr, je nach Baujahr und Zustand

Worauf du beim Gebrauchtkauf achten solltest

Ein Instrument dieser Preisklasse verdient besondere Sorgfalt:

  • Baujahr vor oder nach 2007 prüfen: Instrumente aus der Zeit vor der Yamaha-Übernahme gelten bei manchen Sammlern als besonders wertstabil, entscheidend für den Klang ist aber vor allem der individuelle Zustand, nicht allein das Baujahr.
  • Zustand von Resonanzboden und Mechanik: Bei Instrumenten dieser Preisklasse lohnt sich vor dem Kauf immer eine professionelle Begutachtung durch einen erfahrenen Klaviertechniker, idealerweise mit Bösendorfer-Erfahrung.
  • Herkunft und Wartungshistorie: Frage nach Vorbesitzern, Standort und Wartungsprotokollen. Ein Konzertflügel aus einer klimatisierten Konzerthalle ist meist besser erhalten als ein Instrument aus wechselnden Privathaushalten.

Fragen und Antworten

Klingt ein Bösendorfer nach der Übernahme durch Yamaha anders als früher?

Die Fertigung findet weiterhin in Wien nach den ursprünglichen Konstruktionsprinzipien statt, mit demselben Resonanzboden-Ansatz und derselben Handwerkstradition. Der grundsätzliche Klangcharakter blieb erhalten, auch wenn Yamaha punktuell Fertigungsprozesse modernisiert hat.

Warum sind Bösendorfer-Flügel teurer als vergleichbare Modelle anderer Marken?

Die weitgehend manuelle Fertigung in Wien, die massive Rahmenkonstruktion und die geringen Stückzahlen im Vergleich zu Serienherstellern treiben den Preis. Dazu kommt der Sammlerwert, besonders bei älteren, historischen Instrumenten.

Baut Bösendorfer auch Klaviere (Upright), oder nur Flügel?

Aktuell fertigt Bösendorfer ausschließlich Flügel. In der Vergangenheit wurden auch Klaviere gebaut, diese sind auf dem Gebrauchtmarkt aber deutlich seltener als die Flügelmodelle.

Ein Bösendorfer ist eine Investition in Wiener Klaviertradition und einen unverwechselbaren Klangcharakter, sowohl für Konzertsäle als auch für anspruchsvolle private Sammler.

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